Das Eduard-Lucas-Haus soll erhalten und saniert werden. Darüber waren sich bei einem Pressegespräch Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck sowie Vertreter des Fördervereins Eduard-Lucas-Haus und des Kreisverbands der Obst- und Gartenbauvereine im Landkreis Reutlingen einig. Bei der Vorstellung einer Machbarkeitsstudie zeigten sie sich überzeugt, dass dieses Vorhaben auch gelingen könne. Voraussetzung sei dazu allerdings, dass die Kosten von rund 1,8 Millionen Euro aufgebracht werden. Die Idee zur Erhaltung des Gebäudes war schon 2010 aufgeworfen worden, als das 150-jährige Jubiläum des Pomologischen Instituts gefeiert wurde. Gegründet hatte diese »private Lehranstalt für Gartenbau, Obstkultur und Pomologie« im Jahr 1860 ebendieser Eduard Lucas in Reutlingen, damals vor den Toren der Stadt. Davon berichtete Ulrich Schroefel, Vorsitzender des vor einem Jahr gegründeten Fördervereins Eduard-Lucas-Haus.
»Die Bedeutung des Reutlinger Instituts reichte weit über Deutschland hinaus, bis nach Norwegen und nach Afrika«, unterstrich der OB. Dass die GWG als Eigentümer des Lucas-Hauses 2019 wieder Wohnungen dort einrichten wollte, »habe ich zu dem Zeitpunkt sofort gestoppt«, sagte Thomas Keck. Er betrachte das Haus als »Kleinod, als wichtigen Mosaikstein für die Bundesgartenschau im Jahr 2039« – und über Mittel für die Buga soll die Sanierung auch größtenteils finanziert werden. Rund 1,8 Millionen Euro werde die Instandsetzung des Gebäudes kosten, führte Architekt Albert Hörz vom Büro Riehle Koeth aus, das zusammen mit dem Büro Kohl & Partner die Machbarkeitsstudie erstellt hatte. Der Betrag von fast zwei Millionen Euro umfasse allerdings rein die Sanierungskosten für das von der Pomologie ebenerdig erreichbare Erdgeschoss und das darüber liegende Obergeschoss des Gebäudes, so Hörz. Dach, Elektro, Heizung, eine Fluchttreppe – das seien die wichtigsten Arbeiten, um die beiden Stockwerke zu ertüchtigen. Entstehen soll dort ein »Informations- und Bildungszentrum«. Ausstellungen zum Leben und Wirken von Eduard Lucas sollen zu sehen sein. »Offene Büros werden Möglichkeiten und Begegnungen von Streuobst-Akteuren bieten«, so Schroefel. Geplant sei, im Erdgeschoss eine Küche zu installieren, ein Streuobst-Café mit Produktverkauf und möglicher Außenbewirtung.

Dazu kommen Räume für eine Dauerausstellung, aber auch für Wechselausstellungen. Ein Besprechungsraum und ein »Streuobstlabor« als »kreativer Raum für Workshops und Aktivitäten« sollen ebenfalls entstehen. In dem »Labor« soll ein ganz wichtiges Ziel des Projekts verfolgt werden, nämlich die Jugend für die Ziele der Pomologie und der Streuobstwiesen zu begeistern, wie Ralf Röckel aus dem Vorstand des Fördervereins betonte.
»Der Knackpunkt bei der Sanierung des Gebäudes sind aber die beiden übereinanderliegenden Keller«, betonte Hörz. In dem untersten Gewölbekeller, der einst als Bierkeller einer Gartenwirtschaft diente, befindet sich eine Quelle. Außerdem dringe »permanent Hangwasser« ein. »Die beiden Keller leiden«, so Hörz. Weil das Gebäude der GWG gehöre, sei sie auch für die Sanierung der Keller zuständig. »Das Gewölbe des unteren Kellers kann, nach heutigem Kenntnisstand, nur nach dem Abbau des oberen Gewölbekellers saniert werden«, ist in der Machbarkeitsstudie zu lesen. Das Sichern des Mauerwerks über der Quelle sei bereits durchgeführt worden: »Das Mauerwerk kann wieder Lasten ableiten.«
35.000 Euro hat die Machbarkeitsstudie gekostet, 70 Prozent hat das Biosphärengebiet finanziert, wie Tobias Brammer erläuterte. »Streuobst und dessen Schutz ist ein extrem wichtiges Thema«, so der stellvertretende Leiter der Geschäftsstelle Biosphärengebiet beim Tübinger Regierungspräsidium. Im Zusammenhang mit der Buga 2039 sei das Eduard-Lucas-Haus »ein Pfund, mit dem man punkten kann«, so Brummer.
Die Bürgerstiftung hatte einen Betrag von 5.000 Euro zur Machbarkeitsstudie zugeschossen, wie Karl-Heinz Walter ausführte. Weitere 5.000 Euro wurden laut Schroefel durch zusätzliche Spender gefunden. Die Begeisterung unter den Anwesenden beim Pressegespräch war jedenfalls groß, dass dieses Projekt »Eduard-Lucas-Haus« gelingen wird. Oder wie es Ralf Röckel ausdrückte: »Wir werden Eduard Lucas aus dem Schlaf wieder wachküssen.«
Redakteur Norbert Leister